Innovationen im Gesundheitswesen

In den letzten Jahrzehnten hat der Gesundheitsmarkt dank verbesserter diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten einen progressiven Anstieg an Innovationen erfahren, die die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Patienten verbessern sollen. Aber weshalb sollten Innovationen im Gesundheitswesen immer mehr Bedeutung und Aufmerksamkeit gewinnen?

Der fortlaufende und sich weiter ausprägende demographische Wandel führt zunehmend zu einer älteren Bevölkerung und chronischen Erkrankungen. Als Folge werden zukünftig effizientere Methoden erforderlich sein, um den höheren Bedarf im medizinischen Bedarf gerecht zu werden. Hinzu kommt, dass die Nachfrage und der Anspruch an hohe Qualität gestiegen sind, sowohl auf Seiten der Patienten, als auch auf der der Versicherungsgeber und Patientenorganisationen. Leider kommt es heutzutage immer noch regelmäßig zu Fehlern und unerwünschten Ereignissen in der Pflege. In vielen Bereichen der Medizin könnten heute schon Innovationen implementiert werden, um den Zustand zu verbessern und Prozesse zu optimieren. Verschiedenste Hindernisse verlangsamen jedoch eine schnellere Implementierung.

Weshalb wird der Gesundheitsmarkt nicht schon seit vielen Jahren wie der Wirtschaftsmarkt mit Innovationen überschüttet?

Das Gesundheitswesen ist aufgrund seiner verschiedensten Bereiche vielschichtiger. Im Gesundheitswesen Tätige müssen feststellen, dass das Potential zur Leistungsverbesserung durch technologische Innovation, das heißt Qualitätsverbesserung bei Kosteneinsparung, nicht vollständig ausgeschöpft wird. Der Grund hierfür ist, dass nicht nur technologisch fortschrittliche Geräte erforderlich sind, sondern auch menschliche Interaktion eine entscheidende Rolle spielt.

Was für Einsparungen könnten durch eine verstärkte Innovation im Gesundheitswesen erzielt werden?

  • 34 Mrd. EUR könnten jährlich durch den Einsatz von digitaler Technologie eingespart werden. Dies macht bei Gesundheits- und Versorgungskosten von jährlich 290 Mrd. EUR ca. 12 % aus.
  • 9 Mrd. EUR fielen dabei auf die Umstellung auf eine papierlose Datenverarbeitung
  • 8 Mrd. EUR der 34 Mrd. EUR Einsparungen könnten durch eine Online-Interaktion mit dem Patienten erreicht werden.
  • 6,4 Mrd. EUR Einsparpotential liegen in der Einführung einer elektronischen Gesundheitsakte.
  • 70 % des Nutzens durch eine Digitalisierung fielen den Krankenhäusern und Ärzten zu, 30 % den Krankenversicherungen

Die Grenzen zwischen den menschlich-organisatorischen und technologischen Aspekten einer Innovation im Gesundheitswesen ist meist sehr verschwommen und stellt daher eine Hürde da. Außerdem ist der Gesundheitsmarkt risikoscheu. Innovationen müssen in langen Prozessen erprobt und untersucht werden, um eine Legitimation zu erhalten. Diese Prozesse dauern oft Jahre, um nötige Beweise für deren Effizienz zu liefern.

Das liegt daran, dass Regierungen eine grundlegende Rolle bei der Gestaltung, Regulierung und Finanzierung von Gesundheitsleistungen spielen. Politiker entscheiden sich bevorzugt für Innovationen, welche in Ihrer Legislaturperiode zu schnellen Ergebnissen führen, statt solche, die jahrelange Erprobung erfordern. Ein weiteres Hindernis im Gesundheitsmarkt ist die Komplexität. Mehrere Interessengruppen aus verschiedensten Pflegesystemen können an Implementierungsentscheidungen ebenfalls beteiligt werden. Das kann dazu führen, dass genereller Widerstand gegen Veränderungen seitens verschiedenster Interessensgruppen die Implementierung von Innovationen erschwert.

Was für Innovationen gibt es im Gesundheitswesen

Nach einer Studie des Deloitte Center for Health Solution gibt es im Gesundheitswesen 10 Innovationen, die das Gesundheitswesen am stärksten revolutionierten. Dazu zählen folgende Neuerungen:

  • Next-Generation Sequenzierung: Darunter werden neuartige genanalytische Verfahren zusammengefasst, die eine sehr große Anzahl an DNA-Molekülen gleichzeitig sequenzieren können. Diese Verfahren werden unter anderem in der Krebstherapie eingesetzt.
  • 3-D gedruckte Geräte: Werden für die Erstellung von kostengünstigen und maßgeschneiderten medizinisch technologischen Produkten eingesetzt, um den individuell physiologischen Bedürfnissen des Patienten gerecht zu werden. Beispielsweise für die Erstellung von Haut bei Brandopfern, Prothesen und Implantaten.
  • Immuntherapie: Basiert auf dem Einsatz von immuntherapeutischen Arzneimitteln, die den Organismus des Patienten für den Aufbau einer starken Immunabwehr unterstützen sollen. Die Methode wird in der Krebstherapie, bei Allergien, bei infektiösen Krankheiten, bei entzündlichen Herden und neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt.
  • Künstliche Intelligenz: Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz können akkuratere, schnellere und ressourcenschonendere Aufgaben im Gesundheitswesen erledigt werden. Zum Beispiel können Krankheiten schneller diagnostiziert werden, die Entwicklung von neuen Arzneimitteln kann schneller stattfinden und administrative Verpflichtungen können modernisiert werden.
  • Point-of-care Diagnostik: Bezeichnet die Diagnostik am Pflege- und Behandlungsort, wodurch eine präzisere, schnellere und kostengünstigere Behandlung des betroffenen Patienten stattfinden kann.
  • Virtuelle Realität: Hier wird dem Patienten eine Umgebung simuliert, die für den Anwender zu einer schnelleren Veränderung der Verhaltensweisen führen kann, da sie sicherer, angenehmer und leichter zugänglich ist.
  • Nutzung sozialer Medien zur Verbesserung des Patientenerlebnisses: Die sozialen Medien können als Plattform dienen, wo ein Austausch zwischen Patientenbedürfnissen und -erfahrungen und Betreuern stattfinden kann. Dieser Informations- und Erfahrungsaustausch kann für Politiker, Forscher, Patienten und Krankenhausverwalter wertvoll sein.
  • Biosensoren und Tracker: Sind immer kleiner werdende technische Geräte, die der Patient an der Kleidung, an Accessoires oder medizinischen Geräten bei sich trägt, mit denen eine höhere Anzahl an gesundheitlichen Messgrößen erkannt und überwacht werden können. Dadurch kann eine frühzeitige Behandlung von sich abzeichnenden Krankheitsbildern stattfinden oder Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden.
  • Conveniant Care: Sind Einzelhandelskliniken und Notfallzentren, die sich auf eine kostengünstigere und begrenzte Versorgung von Gesundheitsproblemen konzentriert.
  • Telemedizin: Nutzt elektronische Information und Technologien, um die Kommunikation zwischen Patienten und Arzt zu ermöglichen, der sich geographisch weiter weg vom Patienten befindet. Es kann dadurch eine frühere Diagnose und mögliche Intervention stattfinden. Arztbesuche und die Wegzeiten für Patienten können somit eingespart werden.

Um die dringlich benötigten Innovationen schnell, aber auch sicher auf den Gesundheitsmarkt zu bringen, braucht es an vielen Stellen Veränderungen. Der Gesundheitsmarkt unterscheidet sich vom normalen Wirtschaftsmarkt auf verschiedene Art und Weise, wodurch dessen Innovationsprozesse eine differenzierte Betrachtungsweise erfordern. Es gilt, dass schon heute viele Gesundheitssysteme mit der steigenden Nachfrage nach schnellen und qualitativ hochwertigen Lösungen überfordert sind. Ein Innovationsmanagement in den Gesundheitseinrichtungen ist ein Baustein, damit die unterschiedlichen Anliegen von Interessengruppen besser koordiniert werden und durch die Festlegung eines Personenkreises für die Implementierung von Innovationen aktiver vorangetrieben werden.

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